Worin unterscheiden sich HD-taugliche, UHD(4k)-fähige, 3D-geeignete oder digitale-taugliche Koaxialkabel? Prinzipiell durch nichts; es sind dieselben Kabel! Fallen Sie also nicht auf solchen Marketing-Tricks herein! Lassen Sie sich auch nicht durch hohe Schirmungsmaße wie 5-fach Abschirmung oder vergoldete F-Stecker beeinflussen. Dies ist reines Marketing, welches zugegebenermaßen leider sehr gut funktioniert. Wir werden Ihnen dies in einem Experiment eindrucksvoll demonstrieren.

  • Wie ist ein Koaxialkabel aufgebaut?
  • Welche zwei Zwecke hat die Schirmung eines Koaxialkabels?
  • Was bedeutet Konfektionierung und was gibt es dabei zu beachten?
  • Was versteht man unter der Impedanz (Wellenwiderstand)?
  • Erhöhen vergoldete F-Stecker die Signalqualität oder Signalstärke?

Der Mythos von hohen Schirmungsmaßen

Um Ihnen zu demonstrieren, wie unnötig die hohen Schirmungsmaße in den meisten Fällen sind, haben wir ein Experiment durchgeführt (bitte nicht nachmachen!). Wir benutzten ein Koaxialkabel eines namhaften Herstellers mit 3-fach Abschirmung und einem Schirmungsmaß von 120 dB (Kosten: ca. 10 € pro Meter).

In unmittelbarer Nähe betrieben wir aktiv sowohl ein Babyphon als auch ein Schnurlos-Telefon, welches DECT-Frequenzen nutzt. Also jene Frequenzen, die potentiell in Konflikt mit den Übertragungsfrequenzen des Satellitenfernsehens kommen können. Wir suchten uns sogar explizit einen Sender, der auf derselben Frequenz sendet. Die Wahl fiel auf den Sender DMX mit einer Transponderfrequenz von 12480 MHz im Hochband. Abzüglich der damit verbundenen lokalen Oszillatorfrequenz (LOF) des LNB von 10600 MHz, kommt man somit auf eine Übertragungsfrequenz von 1880 MHz.

Diese Frequenz liegt somit exakt im Frequenzbereich von DECT. Es ist deshalb von massiven, potentiellen Störungen bei nicht-fachgerechter Abschirmung auszugehen. Wie erwartet, liefert das verwendete Koaxialkabel aber bei intakter Schirmung eine gute Signalstärke und vor allem aber eine hervorragende Signalqualität. Das Kabel lässt sich also von den DECT-Frequenzen nicht beeinflussen. Ob dies wohl auf die 3-fach Abschirmung und auf das Schirmungsmaß von 120 dB zurückzuführen ist?

Signalstärke (Pegel) und Signalqualität bei intaktem Koaxialkabel mit 3-fach Abschirmung und 120 dB Schirmungsmaß
Abbildung: Signalstärke (Pegel) und Signalqualität bei intaktem Koaxialkabel mit 3-fach Abschirmung und 120 dB Schirmungsmaß

Um dies zu prüfen, entfernen wir auf einer Länge von 2 cm die Schirmung des Koaxialkabels vollständig und legten eine handelsübliche Aluminiumfolie darüber. Die Alu-Folie umwickelte nicht einmal das Kabel vollständig, sondern wurde lediglich umgelegt und angedrückt. Das Ergebnis: Die Signalstärke nahm lediglich um rund 4 % ab und die Signalqualität nur um 0,1 dB. Wir haben Ihnen das komplette Video zur unten zur Verfügung gestellt.

Signalstärke (Pegel) und Signalqualität bei defektem Koaxialkabel mit Abschirmung durch Alu-Folie
Abbildung: Signalstärke (Pegel) und Signalqualität bei defektem Koaxialkabel mit Abschirmung durch Alu-Folie
Video: Abschirmung eines defekten Koaxialkabels mit Aluminiumfolie (SDTV)

Dem Koaxialkabel ist es im Übrigen auch völlig egal, ob es sich um einen SD-Sender (wie im soeben geschilderten Fall) handelt, oder um einen HD-Sender. Wir haben deshalb den Versuch auch mit einem HD-Sender (Sport 1 HD) durchgeführt. Das Ergebnis ist prinzipiell dasselbe. Konkret bedeutet dies, dass die Signalstärke um 4 % abnahm, und dies bei einer Verringerung der Signalqualität um gerade einmal 0,1 dB. Das Video hierzu haben wir Ihnen ebenfalls zur Verfügung gestellt.

Selbst auf vielen renommierten Seiten, die es eigentlich besser wissen sollten, liest man Aussagen wie “möchte man HDTV genießen, sollte die Dämpfung 120 dB liegen“. Dies ist unseriös! Wie Sie gesehen haben, reichte in unserem Fall ein notdürftiges Umlegen des Kabels mit herkömmlicher Aluminiumfolie völlig aus; und diese Schirmung dürfte sicherlich weit entfernt von 120 dB liegen.

Das “schwächste Glied einer Kette”

Nachdem wir Ihnen das Experiment zur Abschirmung gezeigt haben, dürfen Sie nun selbst entscheiden, ob es wirklich immer gleich eine 5-fach Abschirmung mit Schirmungsmaße von 135 dB sein muss.

Sie sollten immer bedenken, dass das schwächste Glied einer Kette das Gesamtsystem maßgeblich beeinflusst. Aus Kostengründen hat der Installateur während des Hausbaus wahrscheinlich meterweise Koaxialkabel der Klasse A unter Putz verlegt (und nicht A+ oder A++). Es ergibt nun keinen Sinn auf dem letzten Meter von der Antennendose bis zum Receiver plötzlich ein Kabel mit 135 dB Schirmung zu verwenden, am besten noch mit vergoldeten Steckern. Die gesamte Schirmung ist damit ad absurdum geführt. Dies ist so als würden Sie an ein minderwertiges Kunststoffseil auf den letzten Zentimetern ein hochwertiges Edelstahlseil anbinden und erwarten, dass es nun stabiler ist.

Der Mythos der “Digital-Tauglichkeit” oder “4k-Tauglichkeit”

Vergessen Sie im Zusammenhang mit Koaxialkabeln auch gleich die oft gehörten Begriffe wie “digital-tauglich”, “HD-fähig, “4k-geeignet” oder “3D-fähig” – dies ist reines Marketing! Es gibt kein analoges oder digitales Kabel und es gibt auch keinen Standard, der definiert ab wann ein Koaxialkabel “4k-geeignet” ist. Jedes Koaxialkabel von ordentlicher Qualität (Klasse A) reicht in der Regel völlig aus. Viel Wahres liegt in dem Satz: Je dicker und schwerer das Kabel, desto besser.

Jede Signalinformation, egal ob darin SD-, HD-, 3D- oder 4k-Inhalte verpackt sind, wird auf dieselbe Art und Weise durch das Koaxialkabel gesendet, nämlich in Form von elektrischen Signalen (elektrische Spannung). Das Koaxialkabel interessiert es dabei relativ wenig, welche Informationen mit diesem Signal verbunden sind (siehe hierzu auch den Artikel Satellitenübertragungstechnik: Der DVB-Standard).

Als in manchen Gebäuden vor 30 Jahren die Koaxialkabel unter Putz verlegt worden sind, hat niemand an das Aufkommen von HD-Inhalten oder gar 3D gedacht. Und dennoch kann man heutzutage ohne Problem HD-Inhalte über die 30 Jahre alten Kabel übertragen. Genauso gut können mittlerweile aufgrund der leistungsfähigeren Kompressionsmethoden 4k-Inhalte übertragen werden, die nicht sonderlich viel mehr Datenrate benötigen als HD-Inhalte. Lediglich Ihr Endgerät (Receiver bzw. TV) muss für die Dekompression der 4k-Inhalte ausgelegt sein.

Der Mythos der “4k-Tauglichkeit” von Koaxialkabeln beruht auf einem grundlegenden Missverständnis was die Signalübertragung angeht. Zunächst einmal hört sich die Argumentation nicht abwegig an, dass 4k-Inhalte eine höhere Datenmenge bzw. Datenrate erfordern und man deshalb auch höhere Anforderungen an das Koaxialkabel hat. Diese Argumentation müsste aber voraussetzen, dass Sie von Ihrem Kabelnetzbetreiber bzw. Satellitenbetreiber immer nur den angeforderten Sender geliefert bekommen. Dem ist aber keineswegs so, sondern Ihr Kabelnetzbetreiber speist alle verfügbaren Sender auf einmal ein. Ihr Koaxialkabel überträgt also über 100 Radio- und TV-Programme gleichzeitig (Multiplexing genannt). Ob sich darunter jetzt ein oder mehrere 4k-Sender befinden, interessiert das Koaxialkabel überhaupt nicht. Ihr TV-Gerät filtert lediglich aus dem ankommenden Frequenzgemisch die für den gewünschten Sender relevanten Daten heraus.

Beim Satellitenfernsehen ist dies im Übrigen genauso. Sie wählen nicht einen bestimmten Sender aus, der dann zu Ihnen gesendet wird. Vielmehr stellt der LNB die gesamte Empfangsebene auf dem der angeforderte Sender liegt auf einmal zu ihrem Receiver durch. Das Koaxialkabel überträgt also auch in diesem Fall über 100 TV- und Radiosender stets gleichzeitig. Auch dabei ist es bezüglich der Datenflut unerheblich, ob sich darunter nun ein 4k-Sender befindet.

Der Mythos von vergoldeten Steckern

Viele Hersteller bieten vergoldete F-Stecker an, die natürlich teurer sind als herkömmliche Stecker. Bieten diese in der Praxis überhaupt einen Vorteil?

Stromleitfähigkeit vs. Korrosionsschutz

Aus Sicht der Stromleitfähigkeit ist diese Frage einfach zu beantworten: Nein, denn Gold hat im Vergleich zu Kupfer eine um rund ein Viertel schlechtere Stromleitfähigkeit! Tatsächlich ist dies aber auch gar nicht der Grund weshalb verbindende Bauteile vergoldet werden. Der Sinn besteht vielmehr darin, dass Gold als edles Metall nicht korrodiert. Es bilden sich somit mit der Zeit keine elektrisch isolierenden Oxidschichten an der Kontaktoberfläche wie dies bei unedleren Metallen der Fall ist. Hier ist Gold tatsächlich den anderen Metallen überlegen, sodass sich die geringere elektrische Leitfähigkeit auf lange Sicht auszahlen kann.

Die Frage bleibt allerdings: Hat dies in der Praxis einen wahrnehmbaren Effekt? Gleich mehrere Gründe sprechen hierfür dagegen. Nehmen wir hierzu einmal folgenden Fall an: Das Gewinde einer Antennensteckdose sei hochwertig vergoldet. Würden Sie nun einen herkömmlichen F-Stecker aus Zink oder vernickeltem Kupfer daran anschrauben wollen. Wahrscheinlich nicht, mit dem berechtigten Argument, dass hierdurch der Effekt der hohen Kontaktgüte von Seiten des F-Steckers “kaputt” gemacht wird. Mit genau demselben Argument macht es nun eben auch keinen Sinn einen vergoldeten F-Stecker an eine herkömmliche Antennensteckdose aus Zink-Druckguss anzuschließen.

Sie müssten für einen potentiellen Effekt im Prinzip sicherstellen, dass alle Verbindungsstellen vergoldet sind, d.h. angefangen vom LNB-Anschluss, über den Multischalter und die Antennendose bis hin zum Receiver. Eine nur einseitig vergoldetes Gewinde am F-Stecker bringt Ihnen rein gar nichts an Qualitätsvorteil, wenn Sie den Stecker dann auf ein herkömmliches Außengewinde anschrauben ( im Übrigen ist uns keine Antennendose bekannt, die vergoldet wäre ).

Dicke der Goldbeschichtung

Noch ein weiterer Grund spricht gegen einen wahrnehmbaren Effekt in der Praxis. Denn Gold hat den Nachteil, dass es extrem weich ist. D.h. wenn Sie den F-Stecker mit dem geforderten Drehmoment von 3,4 Nm anziehen (was nicht wenig ist!), dann ist davon auszugehen, dass die hauchdünne Goldbeschichtung beschädigt ist. Ist die Goldschicht erst einmal abgekratzt ist, ist auch vom viel gelobten Korrosionsschutz nicht viel übrig. Tatsächlich wird deshalb auch in den meisten Fällen nicht reines Gold für die Beschichtung verwendet, sondern eine Goldlegierung mit Stahl, Kobalt oder Nickel (als Hartgold oder hartvergoldet bezeichnet).

Dennoch muss auch eine Hartvergoldung eine Mindestdicke aufweisen, damit diese nicht durch Abnutzung zerstört wird. Deshalb sollte in der Praxis eine Goldbeschichtung nicht kleiner sein als 1 µm. Es stellt sich dann natürlich die Frage wie dick die Goldschichten der angebotenen F-Stecker in der Praxis tatsächlich sind.

Wir haben deshalb für Sie einmal nachgerechnet (Stand 2019). Im Internet fanden wir ein Angebot von 7,49 € für insgesamt 16 vergoldete F-Stecker. Ziehen wir dabei Versandkosten von 3 € ab, so ergibt sich pro Stecker ein Verkaufspreis 0,28 € brutto. Abzüglich der Mehrwertsteuer bleiben pro Stecker ein Verkaufspreis von 0,24 € netto. Wir ziehen eine Gewinnmarge von insgesamt 25% ab (darin enthalten ist die Gewinnmarge von Hersteller, Händler und Versandhandel), sodass der Hersteller Selbstkosten in Höhe von 0,18 € zu tragen hat. Davon ziehen wir noch Gemeinkosten von 0,04 € und Fertigungskosten in Höhe von 0,04 € ab. Somit bleiben Materialkosten von maximal 0,10 € für einen solchen vergoldeten F-Stecker (und dies ist noch mit milde gerechnet).

Folglich kann auch nur Gold im Wert von maximal 0,10 € im F-Stecker enthalten sein. Bei einem Goldpreis von 42 € pro Gramm, reden wir also von 2,36 mg Gold. Mit einer Dichte des Goldes von 19,3 g/cm³ ergibt sich ein Volumen der Goldschicht von 0,000122 cm³. Nun benötigen wir nur noch die Fläche der Goldschicht, um damit die Höhe (Dicke) bestimmen zu können. Der Durchmesser eines F-Steckers beträgt rund 1 cm und hat eine Höhe von 2 cm. Dies ergibt eine äußere Mantelfläche des zylindrischen F-Steckers von 6,3 cm². Diese Fläche nehmen wir mal 2, da beim galvanischen Vergolden der gesamte Stecker in ein Bad gelegt wird und somit nicht nur die Außenfläche, sondern insbesondere die Innenfläche mit dem Gewinde beschichtet wird. Zudem sorgt das Gewinde durch die schrägen Gewindegänge für eine vergrößerte Oberfläche. Somit erhalten wir eine zu vergoldende Oberfläche von etwa 12,6 cm².

Um das geforderte Goldvolumen von 0,000122 cm³ zu erhalten, muss die Schichtdicke bei einer Oberfläche von 12,6 cm² somit 0,0000097 cm sein. Dies sind 97 Nanometer. Um es etwas plastischer zu machen: Wir reden hier von einer Goldschicht, die deutlich kleiner ist als die Wellenlänge von sichtbarem Licht! Wir sind an dieser Stelle also weit entfernt von einer Mindestdicke von 1 µm (nämlich Faktor 10)! Eine solche hauchdünne Schicht dürfte in der Praxis bereits nach einmaligem Anziehen des Steckers hinüber sein.

Dass man solche Kratzer meist nicht sofort sieht, liegt daran, dass es sich bei dem Basismaterial des F-Steckers häufig um eine Kupfer-Zink-Legierung handelt (Messung), die ähnlich schimmert wie Gold. In diesem Fall muss im Übrigen zwischen dem Messing-Grundmetall und der Goldschicht noch eine weitere Schicht als Diffusionssperre aufgebracht werden. Denn Zink und Gold dürfen nicht direkt in Kontakt miteinander stehen. Wäre dies der Fall, dann würde Zink in die Goldschicht eindiffundieren und die guten Kontakteigenschaften negativ beeinflussen. Als diffusionshemmende Schicht wird häufig Nickel verwendet. Die elektrische Leitfähigkeit von Nickel ist im Übrigen nochmals deutlich schlechter als die von Gold.

Unser Fazit ist deshalb eindeutig: Vergoldete Kontakte haben im privaten TV-Bereich in der Praxis keinerlei wahrnehmbaren Effekt!