Beim Kauf einer Sat-Anlage kommt früher oder später die Frage nach der richtigen Größe der Satellitenschüssel auf. Wir zeigen worauf Sie dabei achten sollten und ob “größer” wirklich immer “besser” ist. Unter anderem möchten wir auf folgende Fragen eingehen:

  • Wofür eigenen sich welche Größen von Satellitenschüsseln?
  • Ist die Empfangsqualität bei großen Schüsseln besser als bei kleinen?
  • Kann man mit einer größeren Schüssel auch mehr Programme empfangen?
  • Benötigt man für den HD-Empfang größere Schüsseln?
  • Wie berechnet sich der (theoretische) Zuwachs der Signalstärke in dB beim Umstieg auf größere Schüsseln?
  • Wann sollte man in einem Multifeed auf größere Satellitenschüsseln setzen?
  • Was ist der Unterschied zwischen Signalstärke und Signalqualität?
  • Was versteht man unter Rauschen?

Mobile Satellitenschüsseln

Satellitenschüsseln gibt es in verschiedenen Größen. Mobile Schüsseln fürs Camping haben in der Regel einen Durchmesser von 40 cm. Solche Satellitenschüsseln gibt es bereits ab 20 €. Nachteil solch kleiner Schüsseln ist jedoch die relativ geringe Empfangsleistung, da nur ein sehr kleiner Teil der Satellitenstrahlung von der kleinen Schüssel eingefangen wird. Voraussetzung für den optimalen Einsatz solch kleiner Schüsseln ist die freie Ausrichtung auf den Satelliten. Es sollten in diesem Fall also keine Gebäude und Bäume die Sicht auf den Satelliten versperren.

Kleine Schüsseln sind zudem deutlich wetteranfälliger als ihre “großen Brüder”. Wird zum Beispiel zusätzlich zur relativ geringen Empfangsleistung auch noch das Signal durch Wolken und Regen negativ beeinflusst, dann ist der Empfangsqualität oft nicht mehr ausreichend um ein Bild darzustellen. Deshalb ist es gerade bei kleinen Schüsseln umso wichtiger auf Qualität zu achten. Geben Sie also lieber etwas mehr Geld, damit die wenige Strahlung wenigstens optimal gebündelt wird und für eine hohe Signalqualität sorgen kann.

Kleine Satellitenschüsseln mit 40 cm sind vor allem für den mobilen Einsatz geeignet. Sie erfordern eine freie Sicht auf den Satelliten und gutes Wetter.

Stationäre Satellitenschüsseln

Für den stationären Betrieb einer Satellitenschüssel an Hauswänden oder auf Hausdächern, empfiehlt es sich größere Schüsseln zu verwenden. Mit diesen hat man auch bei schlechten Wetterbedingungen noch ausreichend Empfangsleistung (gute “Schlechtwetterreserve”). Die Gefahr des Bildausfalls ist dabei deutlich geringer.

Je größer die Satellitenschüssel, desto größer die Empfangsleistung auch bei ungünstigen Wetterbedingungen!

Typischerweise liegt die Größe einer Satellitenschüssel für die beliebte Astra-Position 19,2° Ost bei der stationären Aufstellung im Durchmesserbereich zwischen 60 und 90 cm. Mit 80 cm sollte man also in diesem Fall nichts falsch manchen können. Beachten Sie, dass mit zunehmender Schüsselgröße aber die Windanfälligkeit größer wird. Es ist dann im besonderen Maße auf eine stabile Befestigung der Schüssel zu achten, zumal bei größeren Schüsseln auch die Halterungen größer werden und zu ungünstigeren Hebelverhältnissen führen.

Ein Schüsseldurchmesser von 80 cm reicht für das Empfangen der Sender wie ARD, ZDF, RTL, PRO7, etc. und SKY über die Astra-Satelliten (Satellitenposition 19,2° Ost) in der Regel völlig aus.

Für den Kauf einer Satellitenschüssel mit 80 cm Durchmesser sollten Sie etwa 100 € einplanen. Für hochwertige Satellitenschüsseln mit 90 cm Durchmesser sind aber auch Preise von über 200 Euro keine Seltenheit.

Beeinflusst die Schüsselgröße die Programmvielfalt?

Die Antwort auf diese Frage lautet: JEIN! Grundsätzlich hat die Größe einer Satellitenschüssel nichts damit zu tun wie viele Programme Sie mit einem Satellitensignal empfangen. Vielmehr hängt die Schüsselgröße davon ab, welche Art von Programme Sie empfangen möchten; genauer gesagt von der Wahl des Satelliten, dessen Signale Sie empfangen möchten. Aufgrund ungünstiger Lage sind mache Satellitensignale von “ausländischen” Satelliten (z.B. Ost-Beam oder Türksat) nur schwach zu empfangen. In einem solchen Fall sollte man zu großen Schüsseln greifen und im Extremfall zu einem Schüsseldurchmesser mit 100 oder 120 cm.

Auch sollten sie dann zu größeren Schüsseln greifen, wenn sie mehrere LNBs an einer Schüssel anschließen möchten (Multifeed genannt). Ein solches Multifeed wird nötig, wenn Sie zwei oder mehr Satellitensignale von unterschiedlichen Satelliten empfangen möchten (z.B. Astra 19,2° Ost und Hotbird 13° Ost von Eutelsat). Auf diese Weise können Sie Ihre Programmvielfalt deutlich steigern.

Beachten Sie, dass ein LNB grundsätzlich nur ein Satellitensignal von einem Satelliten empfangen kann und nicht zwei Signale von unterschiedlichen Satelliten gleichzeitig! Hierfür benötigen Sie dann eben eine Multifeed-Halterung mit zwei LNBs. Da die LNBs dabei je nach Satellitenrichtung in leicht unterschiedliche Richtung ausgerichtet werden, bezeichnet man ein solches Multifeed auch als schielende LNBs. Mehr Informationen hierzu finden Sie im Artikel Multifeed (Teil 1): Mehrere Satelliten mit einer Schüssel empfangen.

Als Multifeed (schielende Sat-Anlage) bezeichnet man das gleichzeitige Empfangen der Signale von mehreren unterschiedlichen Satellitenpositionen!

HD (High Definition) oder UHD (4K): (K)eine Frage der Schüsselgröße?

Ob Sie ihre Sender in HD-Qualität oder UHD-Qualität (4K) erleben möchten, hat grundsätzlich nichts mit der Größe der Satellitenschüssel zu tun! Diese Signale können Sie mit jeder Satellitenschüssel empfangen. Die Frage die sich eher stellt ist, ob ihr Receiver bzw. ihr Fernseher diese Auflösung unterstützt oder nicht.

Unterschied zwischen Signalstärke und Signalqualität

Im Zusammenhang mit der Größe von Satellitenschüsseln sind immer wieder zwei Begriff zu hören, : Die Signalstärke und die Signalqualität. Da häufig Verwirrung über diese Begriffe herrscht und dann fälschlicherweise gleichgesetzt werden, möchten wir an dieser Stelle kurz auf den Unterschied eingehen.

Die Signalstärke

Die Signalstärke entspricht sozusagen der “Lautstärke” des elektrischen Signale. Sie wird deshalb auch häufig als Signalpegel oder kurz als Pegel bezeichnet. Nur wenn die Schüssel optimal auf den Satelliten ausgerichtet ist, ist auch eine hohe Signalstärke am LNB-Ausgang zu erwarten. Die Angabe des Signalpegels erfolgt meist in Dezibel (genauer gesagt in Dezibel Mikrovolt: dBµV). Wie man die Satellitenschüssel richtig ausrichtet, erfahren Sie im Artikel Satellitenschüssel richtig ausrichten und einstellen.

Durch die Leitung und andere passive Bauteile treten grundsätzlich Verluste auf. Die Signalstärke sinkt deshalb auf dem Weg vom LNB bis zur Antennendose, sofern keine Verstärker eingebaut sind. Unter 50 dBµV sollte der Pegel an der Antennendose aber nicht fallen, ansonsten ist das Signal zu schwach und es droht der Bildausfall. Zu groß sollte der Pegel aber auch nicht sein, da zu große Signalstärken zu einer Übersteuerung der elektronischen Bauteile führen können. An der Antennendose sollten möglichst nicht mehr als 75 dBµV Signalstärke vorhanden sein.

Für die die es etwas genauer wissen möchten

Wird ein elektrisches Signal von irgend einem technischen Gerät empfangen (z.B. LNB, Multischalter, Antennendose oder Receiver), so entsteht eine Spannung. Der Signalpegel entspricht dem logarithmischen Verhältnis zwischen gemessener Spannung \(U\) am technischen Gerät und einer Referenzspannung von \(U_0\)=1 µV am Referenzwiderstand von 75 Ohm. Der Pegel kann dann wie folgt ermittelt werden:

\begin{align}
&\boxed{Signalpegel= 20 \cdot \lg\left(\frac{U}{U_0}\right)} ~~~\text{Einheit: dBµV} \\[5px]
\end{align}

Anstelle über die Spannung, kann man den Pegel auch über die Leistung des elektrischen Signals ermitteln. Man bildet hierzu den Quotienten von gemessener Leistung am technischen Gerät \(P\) und einer Referenzleistung \(P_0\)=1 mW:

\begin{align}
\label{p}
&\boxed{Signalpegel= 10 \cdot \lg\left(\frac{P}{P_0}\right)} ~~~\text{Einheit: dBmW} \\[5px]
\end{align}

Dass sich die beide Formel im Vorfaktor 10 bzw. 20 unterscheiden, ist kein Schreibfehler, denn die Spannung nimmt quadratisch Einfluss auf die Leistung. Aufgrund des Logarithmus wird aus diesem quadratischen Einfluss dann ein Faktor 2 und somit aus dem Vorfaktor 10 bei der “Leistung” ein Vorfaktor 20 bei der “Spannung”. Der Faktor 10 kommt im Übrigen durch die Einheit Dezibel zustande, denn Dezi bedeutet letztlich “10”.

Dass man beim Leistungspegel neben der Einheit dB noch den Zusatz mW bzw. bei dem Spannungspegel den Zusatz µV angibt, hat nur den Sinn, den Referenzpunkt von 1 mW bzw. 1 µV deutlich zu machen. Beide Berechnungsmethoden führen grundsätzlich zum selben Ergebnis und können deshalb als Pegelberechnung genutzt werden.

Die logarithmische Angabe der Signalstärke hat den Vorteil, dass man Signalverluste und Signalverstärkungen durch ein einfaches Subtrahieren bzw. Aufsummieren berücksichtigen kann .

Die Signalqualität

Im Gegensatz zur Signalstärke, macht die Signalqualität eine Aussage wie gut oder schlecht die Qualität der ankommenden Signale am LNB sind. Man spricht in diesem Zusammenhang auch oft vom sogenannten Rauschen. Bei einem Rauschen überlagern sich Signale gegenseitig so ungünstig, dass die eigentlichen Signalinformationen nicht mehr sauber getrennt werden können. Geringe Signalqualität und damit erhöhtes Rauschen kann mit einem defekten oder qualitativ minderwertigen LNB zusammenhängen. Gerade deshalb sollte man bei einem LNB nicht sparen!

Die Signalstärke gibt an wie gut die Schüssel auf den Satelliten ausgerichtet ist und die Signalqualität gibt an wie gut das empfangene Signal ist. In der Praxis sollte die Signalstärke zwischen 50 dBµV und 75 dBµV liegen.

Man kann den Unterschied zwischen Signalstärke und Signalqualität anschaulich mit dem menschlichen Hören vergleichen. Nur wenn unsere Ohren optimal auf unser Gegenüber ausgerichtet sind, kann man von einer guten wahrgenommen Lautstärke ausgehen. Dies entspricht im übertragenen Sinne der Signalstärke beim Satellitenempfang. Aber selbst der höchste Lautstärkepegel nutzt nichts, wenn unser Gegenüber nuschelt oder Störreflexionen auftreten, so dass es zu Echos kommt wie in großen Hallen. Dieses undeutliche sprechen bzw. verstehen, entspricht im übertragenen Sinne der Signalqualität. Trotz hoher Lautstärke lässt die geringe Sprachqualität es somit nicht zu, dass wir unser Gegenüber verstehen. Umgekehrt würde dies im Prinzip genauso gelten. Die beste Sprachqualität nützt nichts, wenn unsere Gegenüber zu leise spricht.

Die Informationen über die Signalqualität und die Signalstärke (Pegel) kann man für den aktuellen Sender in der Regel über das Informationsmenü des Receivers erhalten. Beachten Sie, dass die angezeigten Werte sich dann auf das ankommende Signal am Receiver beziehen. Es werden somit die Verluste (Dämpfungen) in den Koaxialkabeln, an eventuellen Multischaltern und Anschlussdämpfungen in den Antennendosen bereits mitberücksichtigt. Eine geringe Signalqualität kann dann bspw. ein Hinweis auf minderwertige Kabel mit geringer Abschirmung oder auf fehlerhafte Anschlussverbindungen sein.

Stärke (Pegel) und Qualität des vom LNB empfangenen Signals am Receiver
Abbildung: Stärke (Pegel) und Qualität des vom LNB empfangenen Signals am Receiver

Bieten größere Schüsseln bessern Empfang?

Die Aufgabe von Satellitenschüsseln ist es, die empfangene Strahlung in einem Punkt zu konzentrieren; und zwar genau dort wo sich der LNB befindet (mehr hierzu im Artikel Form und Eigenschaften von Parabolantennen). Je größer die Fläche der Satellitenschüssel dabei ist, desto mehr Strahlung kann die Schüssel natürlich bündeln. In der Regel haben Sie mit größeren Schüsseln also deutlich mehr Empfangsleistung und somit eine größere Signalstärke (Pegel).

Die Fläche einer Schüssel mit doppeltem Durchmesser, hat bspw. eine vierfach so große Fläche. Folglich wird auch die vierfache Strahlungsleistung gebündelt. Das Verkaufsargument, dass mit einer doppelt so großen Schüssel also die Empfangsleistung um 400 % steigt, macht zunächst ziemlich Eindruck! Aber fallen Sie nicht darauf herein. Diese Aussage relativiert sich sehr schnell: Denn um die Signalstärken zu charakterisieren, sollten Sie den Pegel-Vergleich im Dezibel-Maß tätigen! Sehen Sie hierzu die Formel (\ref{p}).

Möchten Sie die Zunahme der Signalstärke bei einer vierfachen Fläche in Dezibel ausdrücken, dann müssen Sie den Zehnerlogarithmus auf das Flächenverhältnis von 4 anwenden und anschließend mit 10 Multiplizieren. Als Ergebnis erhalten Sie einen Wert von 6 dB [=10 × lg(4)]. Dies bedeutet also: die Steigerung der Schüsselfläche um 400 % führt zu einer theoretischen Zunahme des Signalpegels um lediglich 6 dBµV aus. In machen Fällen mögen 6 dBµV tatsächlich den Ausschlag geben, ob bei schlechtem Wetter noch genügend Reserve ist oder nicht. Lassen Sie sich aber nicht von riesigen Prozentzahlen als Verkaufsargument beeindrucken.

Mit folgender Formel können Sie selbst den Pegelzuwachs in dB ausrechnen, wenn Sie von einer Satellitenschüssel mit dem Durchmesser \(d\) auf eine größere Schüssel mit dem Durchmesser \(D\) umsteigen:

\begin{align}
&\boxed{\text{Steigerung}= 10 \cdot \lg\left(\frac{D^2}{d^2}\right)} \\[5px]
\end{align}

Im Übrigen: Der Umstieg von einer 80 cm großen Schüssel auf eine 110er Schüssel (was wirklich sehr groß ist), bringt nur noch einen theoretischen Pegelzuwachs um 2,75 dB. Der Pegelzuwachs den Sie beim Umstieg auf eine größere Schüssel haben, wird also mit zunehmender Ausgangsgröße immer kleiner. Die untere Abbildung zeigt hierzu die theoretische Zunahme des Signalpegels in dB beim Umstieg von einer kleineren auf eine größere Satellitenschüssel. Addieren Sie dabei einfach die dazwischenliegenden Dezibel-Werte auf, um die Zunahme der Signalstärke für beliebige Kombinationen zu bestimmen.

Theoretische Zunahme der Signalstärke in dB bei Wahl einer größeren Satellitenschüssel
Abbildung: Theoretische Zunahme der Signalstärke in dB bei Wahl einer größeren Satellitenschüssel

Nun zurück zur eigentlichen Beantwortung der Frage in der Überschrift, ob größere Schüsseln auch besseren Empfang bieten. Wenn sich der Begriff “Empfang” auf die Signalstärke bezieht, dann kann man dies im Allgemeinen bejahen wie das obere Beispiel zeigt, auch wenn sich der Effekt in der Praxis in vielen Fällen in Grenzen hält. Viel wichtiger ist dann allerdings die Frage, ob das empfangende Signal auch eine ausreichende Signalqualität hat, um optimal verarbeitet zu werden. Die Empfangsqualität von großen aber qualitativ minderwertigen Schüsseln kann unter Umständen geringer sein als die von kleineren, hochwertigen Schüsseln. Sie sollten den Fokus also eher auf hochwertige Verarbeitungsqualität bei Schüsseln legen als auf die bloße Größe!