Mit der Einkabel-Lösung (Unicable) können Sie eine vorhandene Baumstruktur oder Reihenstruktur einer Kabelfernsehanlage auch für das Satellitenfernsehen nutzbar machen. Wir zeigen Ihnen worauf Sie dabei achten müssen. Unter anderem möchten wir folgende Fragen in diesem Zusammenhang klären:

  • Was ist der Unterschied zwischen Unicable- und Einkabel-Lösung?
  • Wie kann man relativ einfach von Kabelfernsehen auf Satellitenfernsehen umsteigen?
  • Was ist der Unterschied zwischen einer Baumstruktur und einer Sternstruktur?
  • Benötigt man für die Einkabellösung spezielle Antennendosen?
  • Worin besteht der Unterschied zwischen Unicable I und II?
  • Welche Vorteile bieten Wideband-LNB?
  • Was sind Legacy-Ausgänge?
  • Kann man Unicable auch bei einem Multifeed nutzen?

Das eigentliche Problem: Die Empfangsebenen

In der Satellitenübertragungstechnik kommt dem LNB oder dem Multischalter eine zentrale Bedeutung zu. Je nachdem welcher Sender der Receiver anfordert, schalten diese Komponenten auf die entsprechende Empfangsebene (ZF-Ebene) um. Da die Sender eben auf unterschiedlichen Empfangsebenen liegen, benötigt jeder Receiver (d.h. jeder Teilnehmer) sein eigenes Koaxialkabel über das seine speziell angeforderte Empfangsebene übertragen wird. LNB oder Multischalter bilden somit den zentralen Ausgangspunkt der klassischen Sternverteilung (Sat-ZF-Verteilung), von dem aus dann einzelne Kabel zu den teilnehmenden Receivern führen. Mehr Informationen zur Übertragung und Verarbeitung der Satellitensignale finden Sie im entsprechenden Artikel wieder.

Aufgrund der unterschiedlichen Empfangsebenen beim Satellitenfernsehen, ist es also nicht ohne weiteres möglich mehrere Teilnehmer mit einer einzigen durchgehenden Leitung zu versorgen, von der aus dann einzelnen Leitungen zu den Receivern abzweigen. Eine solche Baumstruktur nutzt man bspw. bei der Verteilung von Kabelfernsehen. Dies funktioniert dort deshalb, weil die zu übertragenden Ton- und Bildsignale nicht auf unterschiedlichen Empfangsebenen liegen und somit alle auf einmal über ein Koaxialkabel übermittelt werden können. Die untere Abbildung zeigt hierzu schematisch den Vergleich zwischen der Baumstruktur beim Kabelfernsehen und der Sternstruktur beim herkömmlichen Satellitenfernsehen.

Vergleich der Verteilungsstrukturen beim Kabelfernsehen (Baumstruktur) und beim herkömmlichen Satellitenfernsehen (Sternstruktur)
Abbildung: Vergleich der Verteilungsstrukturen beim Kabelfernsehen (Baumstruktur) und beim herkömmlichen Satellitenfernsehen (Sternstruktur)

Bei einer Sternstruktur werden Signale ausgehend eines zentralen Punktes verteilt. Bei einer Baumstruktur erfolgt die Verteilung der Signale anhand einer zentralen Stammleitung, von der aus mehrere Leitungen zu den einzelnen Teilnehmer abzweigen.

Vor allem beim Umrüsten von Kabelfernsehen auf Satellitenfernsehen, wäre es aber von großem Vorteil, man könnte die vorhandene Baumstruktur oder Reihenstruktur auch für das Satellitenfernsehen nutzen. Dies würde aufwendiges Neuverlegen von Leitungen auf ein Minimum reduzieren. Genau hierfür hat man die im Folgenden näher erläuterte Einkabel-Lösung (Unicable) entwickelt.

Einkabel-Lösung (Unicable)

Bei der Einkabellösung leitet der Multischalter (oder der LNB) nicht einfach das gesamte angeforderte Frequenzband weiter wie es bei einer herkömmlichen Sat-ZF-Verteilung der Fall ist. Vielmehr filtert zunächst ein spezieller Satellite Channel Router (SCR) die relevanten Frequenzen heraus, mit Hilfe deren die gewünschten Sender der Teilnehmer übertragen werden. Anschließend setzt der SCR, der auch als Einkabel-Multischalter bezeichnet wird, die unterschiedlichen Senderfreqeuenzen in spezielle Trägerfrequenzen um, die jedem Receiver fest zugeordnet sind. Jeder Receiver hat somit seine eigene Frequenz auf die er reagiert, d.h. sozusagen seine eigene “Hausnummer” die ihm zugeordnet ist und mit der er gezielt angesprochen werden kann. Mit den fest zugeordneten Trägerfrequenzen werden dann jedem Receiver die relevanten Bild- und Toninformationen übermittelt.

Schematische Darstellung über die Verteilung der Trägerfrequenzen auf individuellen User Bands bei der Einkabel-Lösung
Abbildung: Verteilung der Trägerfrequenzen auf individuellen User Bands bei der Einkabel-Lösung

Es können nun mehrere Trägerfrequenzen zusammengemischt und gleichzeitig durch nur ein Koaxialkabel übertragen werden. Aufgrund der fest zugeordneten Trägerfrequenzen “weiß” letztlich jeder angeschlossene Receiver welche Frequenz für ihr relevant ist. Auf diese Weise kann jeder Receiver aus dem übertragenen Frequenzgemisch seine speziellen Signale wieder herausfiltern (siehe Abbildung oben).

Die Trägerfrequenzen für die Receiver liegen im Sat-typischen Bereich zwischen 950 MHz und 2150 MHz. Standardmäßig unterstützt ein SCR bis zu acht unterschiedliche Trägerfrequenzen, die allerdings nicht genormt sind und sich somit von Hersteller zu Hersteller unterscheiden. Meist sind die Frequenzen aber in ein festes Frequenzraster eingeordnet, d.h. die Frequenzen erhöhen sich jeweils um einen konstanten Wert (im unten abgebildeten Beispiel jeweils um 116 MHz).

User Band und zugeordnete Frequenz eines Satellite Channel Routers
Abbildung: User Band und zugeordnete Frequenz eines Satellite Channel Routers

Aufgrund der Tatsache, dass es keine standardisierten Trägerfrequenzen gibt, spricht man in diesem Zusammenhang auch ganz allgemein von User Bands (UB), was frei übersetzt “Benutzer-(Frequenz)-Bänder” bedeutet. Der SCR kommuniziert über diese User Bands mit den jeweiligen Receivern (siehe Abbildung oben). Die User Bands sind meist fortlaufend von 1 bis 8 (UB1 bis UB8) oder bei manchen Herstellern auch von 0 bis 7 durchnummeriert (UB0 bis UB7).

Bei der herkömmlichen Sternverteilung benötigte noch jede Antennendose eines Teilnehmers ein eigenes Koaxialkabel zum LNB oder zum Multischalter. Nun ist nur noch ein einziges Koaxialkabel erforderlich, das man von Dose zu Dose durchschleift (engl. loop through). Eine solche zentrale Durchschleifleitung wird auch als Stammleitung bezeichnet. Von dieser Stammleitung aus kann nun jeder Teilnehmer auf sein eigenes Fernsehprogramm zugreifen. In der Regel erlauben die hierfür notwendigen Einkabel-Multischalter auch das gleichzeitige Verteilen eines terrestrischen Signals wie bspw. DVB-T2.

Verteilung von Satellitenfernsehen und DVB-T2 über einen Einkabel-Multischalter (Baumstruktur)
Abbildung: Verteilung von Satellitenfernsehen und DVB-T2 über einen Einkabel-Multischalter (Baumstruktur)

Da man im vorliegenden Fall nur noch Hauptleitung benötigt, spricht man auch vom Einkabelsystem bzw. von der Einkabellösung. Die Einkabellösung nutzt die klassische Baumstruktur wie man sie von der Verteilung von Kabelfernsehen kennt. Insofern kann man also eine vorhandene Baumstruktur in einem Gebäude nutzen, um relativ einfach von Kabelfernsehen auf Satellitenfernsehen umzusteigen.

Umsteigen von Kabelfernsehen auf Satellitenfernsehen mit einer Einkabel-Lösung (Unicable)
Abbildung: Umsteigen von Kabelfernsehen auf Satellitenfernsehen mit einer Einkabel-Lösung (Unicable)

Bei der Einkabellösung wird nicht die gesamte Empfangsebene zum Receiver durchgeschalten sondern ein Satellite Channel Router wandelt die angeforderte Sendefrequenz (d.h. den gewünschten Sender) in eine dem Receiver fest zugeordnete Trägerfrequenz um und übermittelt die Bildinformation auf diesem Wege!

Häufig wird die Einkabellösung auch als Unicable bezeichnet. Unicable ist strenggenommen jedoch nur der Markenname eines Unternehmens, welches den Einkabelstandard technisch umsetzt. Als analoges Beispiel wäre das bekannte Papiertaschentuch Tempo zu nennen. Meist nutzt man in diesem Zusammenhang auch nur den Markennamen Tempo, stellvertretend für jede Art von Papiertaschentuch. Es gibt also keinen wirklichen Unterschied zwischen der Einkabellösung und Unicable, da beide Begriffe mittlerweile meist synonym verwendet werden.

Herzstück der Einkabellösung: Der Satellite Channel Router

Wie bereits erläutert, ist für die Umsetzung, Zuweisung und Weiterleitung der Trägerfrequenzen hin zu den jeweiligen Receivern, ein spezieller Umsetzer erforderlich, der Satellite Channel Router (SCR). Der SCR wird auch als Einkabel-Router oder als Channel Stacking System (CSS) bezeichnet. Ein solcher Einkabel-Router kann entweder ein externes Bauteil sein (dann auch als Einkabel-Multischalter bezeichnet) oder bereits in einem LNB integriert sein.

Bei einem externen Einkabel-Multischalter schließt man die vier separierten Sat-ZF-Ebenen eines Quattro-LNBs an die entsprechenden Eingänge des Routers an. Optional kann man ein einem fünften Eingang noch zusätzlich ein terrestrisches Signal wie DVB-T2 einspeisen. Auch dies kann der SCR über die gemeinsame Leitung an alle Teilnehmer verteilen. Die meisten externen Router können bis zu acht Teilnehmer gleichzeitig über eine Leitung adressieren (“1×8”-Router). Je nach Hersteller und Anwendung, kann man den Einkabel-Router mit oder ohne externem Netzteil betreiben.

Einkabel-Multischalter (SCR/CSS-Router) mit fünf Eingängen und einem Einkabel-Ausgang
Abbildung: Einkabel-Multischalter (Router) mit fünf Eingängen und einem Einkabel-Ausgang

Je nach Anforderung gibt es aber auch Router, bei denen sich die Adressierung auf zwei Ausgänge aufteilt (“2×4”-Router). Jeder dieser Ausgänge unterstützt dann maximal vier Teilnehmer. Ein solcher Router kann bspw. sinnvoll sein, wenn sich eine vorhandene Baumstruktur auf zwei Stockwerke eines Gebäudes aufteilt. Die beiden Stockwerke lassen sich dann jeweils getrennt mit einem Einkabel-Ausgang versorgen.

Einkabel-Multischalter (SCR/CSS-Router) mit fünf Eingängen und zwei getrennten Einkabel-Ausgänge
Abbildung: Einkabel-Multischalter (Router) mit fünf Eingängen und zwei getrennten Einkabel-Ausgänge

Alternativ könnten Sie aber auch den Ausgang eines 1×8-Routers mit einem 2-fach-Verteiler (Splitter) auf zwei Ausgänge aufteilen. Anschließend stehen Ihnen nun zwei getrennte Leitungen für die beiden Stockwerke zur Verfügung. Anstelle des 2-fach Verteilers können Sie auch einen 4-fach Splitter nutzen, um noch mehr getrennte Leitungen zu erhalten. In diesen Fällen sind Sie prinzipiell frei in der Wahl wie viele Teilnehmer Sie pro Leitung anschließen möchten. Sie können mit Unicable I in Summe natürlich nur maximal acht Teilnehmer bedienen. In Verbindung mit Unicable II können Sie dann sogar bis zu 32 Teilnehmer mit Satellitenfernsehen versorgen (später mehr dazu).

Im Allgemeinen sollten Sie jedoch beachten: Je weniger Teilnehmer an den Ausgang eines Unicable-Multischalters angeschlossen sind, desto geringer ist die potentielle Beeinflussung untereinander. Bei vielen Teilnehmern auf einer Leitung steigt nämlich die Gefahr der Signalüberschneidung, wenn mehrere Teilnehmer gleichzeitig einen Sender anfordern. Es drohen kurzzeitige Bildaussetzer. Im Zweifelsfall sollten Sie deshalb lieber zu Routern mit 2×4 Ausgängen greifen anstelle zu einem Router mit einem 1×8 Ausgang. Zumal die Trägerfrequenzen bei mehreren Ausgängen in einem niedrigeren Bereich gehalten werden können, da man nicht das gesamte Frequenzspektrum ausreizen muss. Bei getrennten Leitungen kann man nämlich jeweils dieselben (niedrigen) Trägerfrequenzen verwenden, da es sich ja um zwei völlig getrennte Leitungen handelt. Der niedrigere Frequenzbereich verringert insgesamt die Signaldämpfung (hierzu im nächsten Absatz mehr).

Die vom Router vorgegebenen Trägerfrequenzen können Sie den einzelnen Receivern im Prinzip beliebig zuordnen. Die geschieht über das Menü Ihres Receivers. Es empfiehlt sich jedoch den am weitesten vom Router entfernen Receiver, die niedrigste Frequenz zuzuweisen. Mit zunehmender Nähe zum Router sollten die Trägerfrequenzen dann ebenfalls zunehmen. Diese Vorgehensweise ist der Tatsache geschuldet, dass mit steigender Frequenz die Signaldämpfung größer wird. Höhere Frequenzen werden durch das Koaxialkabel also stärker abgeschwächt (gedämpft) als niedrigere Frequenzen. Deshalb sollten Sie den Signalweg bei höheren Frequenzen so gering wie möglich halten.

Einkabel-Systeme erfordern spezielle Receiver und Antennendosen

Das Zuordnen der Trägerfrequenzen zwischen Router und Receiver bzw. die gesamte weitere Kommunikation zur Auswahl der Empfangsebene, geschieht über spezielle an DiSEqC angelehnte Befehle. Sie benötigen hierfür spezielle SCR-Receiver, die Sie in der Regel auch bei einer klassischen Sternverteilung einsetzen können, falls Sie sich später doch noch gegen eine Einkabellösung entscheiden sollten. In den Einstellungen Ihres Receivers müssen Sie dann die Einkabellösung entsprechend deaktivieren.

Unicable-fähiger Receiver zur Verwendung in einer Einkabellösung
Abbildung: Unicable-fähiger Receiver zur Verwendung in einer Einkabellösung

Die digitalen Schaltbefehle ersetzen letztlich die analogen Schaltkriterien, die normalerweise bei der Auswahl der Empfangsebene zur Anwendung kommen. In klassischen Sat-Anlagen wird die Auswahl der Polarisationsebene durch die Spannung gesteuert. Bei Spannungen unter 14 Volt schaltet der LNB bzw. der Multischalter auf die vertikale Polarisationsebene und bei Spannungen von 18 auf die horizontale Polarisationsebene. Die Auswahl des Frequenzbandes erfolgt durch Ausschalten oder Anschalten eines 22-kHz-Tons, das der Spannung zusätzlich aufmoduliert ist.

Diese analogen Schaltkriterien sind bei Einkabel-Systemen jedoch durch digitale DiSEqC-Befehle ersetzt, sodass sowohl auf die Spannungsvariation als auch auf den 22-kHz-Dauerton verzichtet werden kann. Es ist sogar sinnvoll auf diese analogen Schaltkriterien zu verzichten, da sich bei Einkabel-Analgen ja mehrere Teilnehmer eine gemeinsame Leitung teilen. Wenn jeder Teilnehmer seine eigene Spannung und seinen eigenen 22-kHz-Ton über dieselbe Leitung gäbe, käme es zu einem Signalchaos. Um dies zu verhindern setzt man häufig spezielle Unicable-Antennendosen ein, die die 18-V-Dauerspannung und den 22-kHz-Dauerton blockieren. Eine solche Deaktivierung nehmen die Receiver jedoch meist bereits selbst vor, wenn Unicable in den Menüeinstellungen aktiviert ist.

Eine kurzzeitige Spannungserhöhung von 14 V auf 18 Volt erfolgt nur während der Übermittlung der digitalen Schaltbefehle, wenn bspw. ein Receiver einen Senderwechsel anfordert (andere Receiver können während dieser Zeit keinen neuen Sender anfordern). Die Antennendosen müssen die Steuersignale der Receiver hierfür diodenentkoppelt in die Hauptleitung einspeisen. Eine solche Diodenentkopplung verhindert, dass bei Anhebung der Spannung, andere Receiver durch die Spannungserhöhung gestört werden. Die Spannungserhöhung kommt durch Trenndiode somit nur am Router an und nicht an den anderen angeschlossenen Receivern. Eine solche Diodenentkopplung benötigen Sie auch dann, wenn Sie an die Hauptleitung der Einkabellösung einen 2-fach-Verteiler (Splitter) anschließen.

Es gibt auch spezielle programmierbare Unicable-Dosen. Anstelle ein User Band einem bestimmten Receiver zuzuordnen, können Sie das zu verwendende User Band in diesem Fall der programmierbaren Antennendose zuordnen. Dies kann bspw. in Mietshäusern mit mehreren Wohneinheiten sinnvoll sein, damit bei einem Mieterwechsel der neue Mieter nicht aus Versehen ein bereits vergebenes User Band nutzt. Mit einer speziellen Software können Sie dann an der Antennendose nur ein bestimmtes User Band zulassen, d.h. nur eine bestimmte Trägerfrequenz.

Wie bei einer Durchschleiflösung üblich, müssen Sie zudem darauf achten, dass die Stammleitung an der letzten Multimediadose mit einem Abschlusswiderstand abgeschlossen ist (Terminierung genannt). In der Regel handelt es sich dabei um einen gleichstrom-entkoppelten 75-Ohm-Abschlusswiderstand (auch als DC-entkoppelter Endwiderstand bezeichnet). Ohne Abschlusswiderstand kann es ansonsten zu Signal-Reflexionen am offenen Ende der Stammleitung kommen und der Empfang auf der gesamten Leitung hierdurch gestört werden. Hierfür gibt es spezielle DC-entkoppelte Enddosen, die einen solchen Endwiderstand bereits integriert haben. Alternativ können Sie auch einen separaten Abschlusswiderstand kaufen und diesen an den Ausgang der letzten Durchgangsdose anbringen.

Kaskadierung von Einkabel-Routern

Sollten Ihnen die maximale Anzahl an Teilnehmer nicht ausreichen, die Sie an einen Einkabel-Ausgang eines Routers anschließen können, dann können Sie evtl. auch mehrere Router hintereinanderschalten (kaskadieren). Sie benötigen für eine solche Kaskadierung spezielle kaskadierbare Einkabel-Multischalter.

Kaskadierung von Einkabel-Multischaltern
Abbildung: Kaskadierung von Einkabel-Multischaltern

Die Kaskadierung kann dann sinnvoll sein, wenn Sie in mehreren Stockwerken mit eigener Baumstruktur eine Einkabel-Lösung realisieren möchten. Sollten bei kaskadierten Multischaltern Ausgänge freibleiben, dann müssen diese in der Regel mit geeigneten 75-Ohm-Abschlusswiderständen abgeschlossen werden. Mehr Informationen hierzu finden Sie dann in der jeweiligen Bedienungsanleitung.

Einkabel-Lösung und klassische Sternverteilung kombinieren

Sie können im Übrigen die Einkabellösung ohne Weiteres mit einer herkömmlichen Sternverteilung kombinieren. Ein solcher Fall kein eintreten, wenn bspw. in einem mehrstöckigen Haus zunächst jeder Stock an eine Sternverteilung angeschlossen ist. Somit ergibt sich pro Stock nur maximal ein Teilnehmer. Möchten Sie nun in einem Stockwerk Satellitenfernsehen für mehrere Teilnehmer zugänglich machen, dann können Sie hierfür eine Einkabelverteilung nutzen.

Den geringsten Aufwand haben Sie, wenn Sie in diesem Fall einfach den bisherigen Multischalter durch einen Einkabel-Multischalter ersetzen. Vorausgesetzt alle Teilnehmer haben Unicable-fähige Receiver, dann können Sie die gesamte Verteilung belassen wie sie ist. Zusätzlich haben Sie nun aber die Möglichkeit geschaffen, alle Stockwerke auf einfache Weise mit zusätzlichen Teilnehmern zu erweitern. Hierfür müssen Sie nur innerhalb des betroffenen Stockwerks die bereits vorhandenen Koaxialleitung zu den hinzukommenden Teilnehmern erweitern. Die “unberührten” Stockwerke erhalten ihr Satellitensignal im Prinzip in der herkömmlichen Sternstruktur, während das erweiterte Stockwerk nun auf eine Baumstruktur (bzw. Reihenstruktur) setzt.

Umrüsten einer bestehenden Sternstruktur auf Unicable
Abbildung: Umrüsten einer bestehenden Sternstruktur auf Unicable

Sollten Sie mit einem klassischen Multischalter sehr viele Teilnehmer in einer Sternstruktur versorgen, dann ist es evtl. schwierig und vor allem teuer die gesamten vorhandenen Multischalter durch Einkabel-Router zu ersetzen. In diesem Fall können Sie aber auch den Einkabel-Router direkt an einen klassischen Multischalter kaskadieren. Sie stellen dann nur denjenigen Wohneinheiten Unicable zur Verfügung, die es benötigen. Notwendig kann dies bspw. sein, wenn ein oder mehrere Teilnehmer einen Twin-Tuner nutzen möchten. Denn beachten Sie, dass bei der Verwendung von Twin-Receivern jeder Receiver-Eingang sein eigenes User Band benötigt.

Kaskadierung eines herkömmlichen Multischalters (Sternverteilung) mit einem Einkabel-Router (Baumstruktur)
Abbildung: Kaskadierung eines herkömmlichen Multischalters (Sternverteilung) mit einem Einkabel-Router (Baumstruktur)

Es gibt auch Multischalter die neben den Einkabel-Ausgängen, einen oder mehrere herkömmliche Ausgänge für die klassische Sternverteilung haben. Diese Ausgänge werden dann als Legacy-Ausgänge bezeichnet. Frei übersetzt bedeutet das englische Wort Legacy so viel wie “Hinterlassenschaft”; der Ausgang ist sozusagen eine Hinterlassenschaft von herkömmlichen Sat-Analgen mit Sternverteilung. An solche Legacy-Ausgänge kann man herkömmliche Sat-Receiver anschließen, die nicht Unicable-fähig sind.

Einkabel-Multischalter mit Legacy-Ausgängen für die herkömmliche Sternverteilung
Abbildung: Einkabel-Multischalter mit Legacy-Ausgängen für die herkömmliche Sternverteilung

Als Legacy-Ausgänge bezeichnet man in Einkabel-Systemen Ausgänge mit denen man eine herkömmliche Sternverteilung realisieren kann!

Einkabel-LNB (Unicable-LNB)

Für kleinere Sat-Anlagen benötigen Sie nicht immer gleich einen externen Multischalter. Die Satellite Channel Router können auch bereits im LNB integriert sein. Sie können somit direkt vom LNB kommend ein Koaxialkabel zu den Receivern legen. Solche Einkabel-LNBs können ein oder mehrere Unicable-Ausgänge aufweisen. Zusätzlich sind Legacy-Ausgänge ebenfalls möglich.

Unicable-LNB mit einem Unicable-Ausgang und drei Legacy-Ausgänge
Abbildung: Unicable-LNB mit einem Unicable-Ausgang und drei Legacy-Ausgänge

Sollten Ihnen die Unicable-Ausgänge an einem LNB nicht ausreichen, dann können Sie diese auch auf einen Mehrfach-Verteiler (Splitter) geben. Dabei müssen Sie natürlich wieder die maximale Anzahl der Teilnehmer berücksichtigen, die Sie in Summe nur versorgen können.

Multifeed mit der Einkabellösung

Die Einkabel-Lösung unterstützt standardmäßig bis zu zwei unterschiedliche Satellitenpositionen (sog. Multifeed). Dabei sind die vier Empfangsebenen der jeweiligen Quattro-LNBs an die entsprechenden Eingänge des Einkabel-Multischalters anzuschließen. Je nach Multischalter gibt dieser die umgesetzten Signale entweder über einen einzigen Unicable-Ausgang (1×8) oder über zwei Ausgänge aus (2×4). In der Regel lässt sich wiederum ein terrestrisches Signal zusätzlich einspeisen.

9/2x4 Einkabel-Multischalter für zwei unterschiedliche Satellitenpositionen (Multifeed)
Abbildung: 9/2×4 Einkabel-Multischalter für zwei unterschiedliche Satellitenpositionen (Multifeed)

Unterschied zwischen Unicable I und Unicable II

Gemäß der Norm EN 50494 unterstützen Einkabel-Router bis zu acht Teilnehmer pro Leitung und bis zu zwei verschiedene Satellitenpositionen. In einigen Fällen mag dies nicht ausreichend sein. Deshalb hat man das vorhandene Protokoll weiterentwickelt, das höhere maximale Teilnehmeranzahlen und Satellitenpositionen erlaubt. Die genauen Spezifikationen sind in der Norm EN 50607 festgelegt. Dieses weiterentwickelte und abwärtskompatible Protokoll ist auch unter dem Namen Jultec Enhanced Stacking System bekannt, kurz: JESS. Je nach Hersteller wird dieses erweiterte Protokoll aber auch unterschiedlich bezeichnet, bspw. als Unicable II.

Unicable II erlaubt theoretisch bis zu 32 Teilnehmer an einer Leitung und unterstützt laut Protokoll maximal 64 unterschiedliche Satellitenpositionen. Wie viele Teilnehmer und Satelliten ein Multischalter aber tatsächlich unterstützt, unterscheidet sich je nach Hersteller und Multischaltertyp. In der weiterentwickelten Unicable-Version ist auch vorgesehen, dass nicht nur die Receiver Nachrichten übermitteln können, sondern auch die angeschlossenen Komponenten (bidirektionale Kommunikation). Hierdurch sind automatische Installationen und Frequenzvergaben möglich, was die Inbetriebnahme einer Einkabel-Anlage vereinfacht.

Wideband-LNB (Breitband-LNB)

Unicable II unterstützt auch sogenannte Wideband-LNB (Breitband-LNB). Wie der Name bereits andeutet, greifen solche Wideband-LNBs auf den gesamten Frequenzbereich auf einmal zu und unterscheiden nicht mehr zwischen dem Hochband und dem Tiefband. Demzufolge hat ein Wideband LNB auch nur zwei Ausgänge, nämlich nur noch für jede Polarisationsebene einen (vertikal und horizontal). Die Aufteilung bzw. Verarbeitung der gemeinsam empfangenen Frequenzbänder erfolgt dann im Einkabel-Multischalter. Der Vorteil von Wideband-LNBs liegt auf der Hand. Anstelle von vier Koaxialleitungen, die Sie zum Multischalter legen müssten, benötigen sie pro Breitband-LNB nur noch zwei Leitungen.

Wideband-LNBs unterscheiden nur die vertikale und die horizontale Empfangsebene und leiten dabei das gesamte Frequenzband (Hoch- und Tiefband) zum Multischalter weiter! Solche Breitband-LNBs haben folglich nur zwei Ausgänge.

Die von einem Breitband-LNB gelieferten Signale, unterscheiden sich folglich von denen eines Quattro-LNB. Multischalter müssen Wideband-LNBs deshalb speziell unterstützen. Die Verwendung von Breitband-LNBs und Quattro-LNBs schließen sich jedoch nicht zwangsläufig gegenseitig aus. Bei einigen Herstellern können Sie die vier Eingänge eines Einkabel-Multischalters entweder für einen Quattro-LNB nutzen oder für zwei Wideband-LNBs. Einige Hersteller bieten auch acht Eingänge an, sodass bis zu vier Satellitenpositionen im Wideband-Modus unterstützt werden. Die Verkabelung von Multifeed-Anlagen wird hierdurch vereinfacht.