Mit einer Kaskadierung von DiSEqC-Schaltern lassen sich auch bereits bestehende Multifeed-Anlagen relativ kostengünstig um weitere Satellitenpositionen erweitern. Wir zeigen Ihnen in diesem Artikel worauf Sie dabei achten müssen und beantworten unter anderem folgende Fragen:

  • Was ist ein Optionsschalter?
  • Wie können ältere Sat-Anlagen mit DiSEqC kostengünstig erweitert werden?
  • Was ist ein Tonburst-Signal und wozu wird es verwendet?

Erweiterung einer Single-Feed-Anlage mit zusätzlicher Einspeisung von DVB-T2

Um Ihnen zu zeigen, welche Möglichkeiten ein DiSEqC-Schalter zur Erweiterung einer bestehenden Sat-Anlage bietet, sei hier ein kleines Beispiel genannt. Nehmen wir folgendes an: Es existiert bereits eine Satellitenanlage mit einem Single-LNB, die folglich nur für einen Teilnehmer ausgelegt ist. Die Anlage soll nun um eine zusätzliche Satellitenposition erweitert werden. Zudem soll ein weiterer Teilnehmer hinzukommen. Eine mögliche Lösung ist in der unteren Abbildung schematisch gezeigt.

Erweiterung einer einfachen Sat-Anlage zur Multifeed-Anlage mit zwei Satellitenpositionen und zwei Teilnehmern
Abbildung: Erweiterung einer einfachen Sat-Anlage zur Multifeed-Anlage mit zwei Satellitenpositionen und zwei Teilnehmern

Zunächst ersetzen Sie das Single-LNB durch zwei Twin-LNBs. Nachdem Sie beide LNBs ausgerichtet haben, benötigen Sie für jeden Teilnehmer einen DiSEqC-Umschalter. Nun verbinden Sie die Ausgänge des LNBs über ein Koaxialkabel mit den Eingängen des DiSEqC-Schalters, sodass jedem Umschalter die zwei unterschiedlichen Satellitenpositionen zugeführt werden. Über ein DiSEqC-1.0-fähiges Endgerät mit integriertem DVB-S2-Tuner kann jetzt jeder Teilnehmer sein eigenes Programm empfangen und auf unterschiedliche Satellitenpositionen zugreifen.

Gehen wir nun einen Schritt weiter. Sie entscheiden sich jedem der beiden Teilnehmer zusätzlich DVB-T2 zur Verfügung stellen zu wollen. Hierzu müssen Sie zusätzlich zum Satellitensignal jedem Teilnehmer das DVB-T2-Signal “beimischen”. Dies geschieht über sogenannte Einspeiseweichen, die beide Signale zusammenführen und über nur ein Koaxialkabel zur Multimediadose weiterleiten. Die Trennung der Signale erfolgt direkt an der Multimediadose. Sofern ihr Endgerät einen DVB-T2-Tuner bereits integriert hat, können Sie Ihr TV-Gerät direkt mit dem entsprechenden Ausgang an der Multimediadose verbinden.

Einspeisung von DVB-T2 (oder DVB-C)
Abbildung: Einspeisung von DVB-T2 (oder DVB-C)

Beachten Sie, dass das DVB-T2-Signal jedem Teilnehmer über sein eigenes Koaxialkabel zugeführt werden muss. Hierzu muss das DVB-T2-Signal aber erst einmal aufgeteilt werden. Dies geschieht über einen sogenannten 2-fach Verteiler (“Splitter”). Dieser macht letztlich nichts anderes als das eingehende Signal auf zwei Ausgänge zu verteilen (da es sich dabei nicht um ein Satellitensignal handelt, funktioniert dies ohne Weiteres!). Beachten Sie, dass Sie bei aktiven DVB-T2-Antennen eventuell noch eine Einspeiseweiche zur Spannungsversorgung benötigen. Anstelle von DVB-T2 können Sie im Übrigen auch Kabelfernsehen (DVB-C) über den 2-fach Verteiler einspeisen. Beides gleichzeitig wird jedoch nicht funktionieren. Mehr hierzu im Artikel Gleichzeitig Satellit und Kabel oder DVB-T2 verteilen.

Anmerkung: Für beliebte Satellitenkombinationen (z.B. für Astra und Hotbird) gibt es bereits vorgefertigte Monoblocks mit integrierten DiSEqC-Schaltern. Diese sind auch in der “Twin”-Ausführung für zwei Teilnehmer erhältlich. In diesem Fall können Sie dann auf die externen DiSEqC-Schalter verzichten und die beiden Teilnehmer direkt an die Monoblock-Ausgänge anschließen.

Erweiterung einer Mehrteilnehmeranlage um eine weitere Satellitenposition

Ein weiterer Fall könnte wie folgt aussehen: Nehmen wir an, Ihre bestehende Multifeed-Anlage empfängt zwei Satellitenpositionen, die ein 9/16-Multischalter auf mehrere Teilnehmer verteilt. Sie möchten nun eine weitere Satellitenposition an die bestehende Anlage anschließen.

Erweiterung einer Dual-Feed Sat-Anlage um eine weitere Satellitenposition
Abbildung: Erweiterung einer Dual-Feed Sat-Anlage um eine weitere Satellitenposition

Zunächst einmal ist festzuhalten: Ein 9/16 Multischalter benutzt intern bereits das Schaltkriterium “Position”, um zwischen den beiden Satellitenpositionen umzuschalten. Das Schaltkriterium “Option” wird in diesem Fall nicht verwendet. Man kann dies nun nutzen, um dem Multischalter einen DiSEqC-Umschalter vorzuschalten, der nur das Schaltkriterium “Option” verwendet. Ein solcher DiSEqC-Schalter wird dann auch als Optionsschalter bezeichnet.

Ein Optionsschalter ist ein DiSEqC-Umschalter, der nur das Schaltkriterium “Option” verwendet.

Die untere Abbildung zeigt einen DiSEqC-Umschalter, bei dem Sie das Schaltkriterium selbst festlegen können (sogenannte Universal-Schalter oder Universal-Relais). Im vorliegenden Fall müssen Sie den Drehschalter auf “Option” stellen. Solange die DiSEqC-Steuerung für die Optionsvariable den Wert A liefert, bleibt der erste Eingang aktiv. An diesen Eingang schließen Sie dann das vom Multischalter kommende Koaxialkabel an. Mit der Befehlsvariablen “Position” wird weiterhin wie gewohnt zwischen den beiden Satellitenpositionen innerhalb des Multischalters umgeschaltet.

DiSEqC-Universal-Relais als Optionsschalter zur Erweiterung einer bestehenden Multifeed-Sat-Anlage
Abbildung: DiSEqC-Universal-Relais als Optionsschalter zur Erweiterung einer bestehenden Multifeed-Sat-Anlage

Liefert die DiSEqC-Steuerung des Receivers hingegen den Optionswert B, dann schält der Optionsschalter auf den zweiten Eingang. An diesen können Sie nun eine weitere Satellitenposition anschließen. Entweder direkt, wenn nur Sie diese zusätzliche Satellitenposition nutzen möchten, oder Sie nutzen wiederum einen Multischalter, wenn Sie die zusätzliche Satellitenposition mehreren Teilnehmern zur Verfügung stellen möchten (diese benötigen dann jeweils auch einen Optionsschalter). Im letzteren Fall bietet es sich allerdings eher an, den vorhandenen Multischalter durch einen 17/x-Multischalter zu ersetzen.

Erweiterung einer Multifeed-Sat-Anlage mit einem DiSEqC-Universal-Relais (Optionsschalter)
Abbildung: Erweiterung einer Multifeed-Sat-Anlage mit einem DiSEqC-Universal-Relais (Optionsschalter)

Prinzipiell ist es auch möglich, hinter dem Optionsschalter einen weiteren DiSEqC-Schalter einzubauen, der dann nur das Schaltkriterium “Position” verwendet. Ein solches Relais wird als Positionsschalter bezeichnet. Sie könnten hierzu sogar den identischen DiSEqC-Schalter wie vorhin verwenden. Den Drehschalter müssten Sie lediglich auf “Position” stellen. Der Receiver kann dann zwischen zwei weiteren Satellitenpositionen hin- und herschalten. Insgesamt haben Sie somit Zugriff auf vier Satellitenpositionen; und dies mit nur zwei DiSEqC-Schaltern.

Erweiterung einer Multifeed-Sat-Anlage mit zwei DiSEqC-Universal-Relais (Optionsschalter und Positionsschalter)
Abbildung: Erweiterung einer Multifeed-Sat-Anlage mit zwei DiSEqC-Universal-Relais (Optionsschalter und Positionsschalter)

Bei einer solchen Kaskadierung müssen Sie allerdings beachten, dass die hinter dem ersten Schalter liegenden Relais, die Steuerbefehle eventuell nicht mitbekommen, sofern das Relais noch nicht geschalten hat. Deshalb muss die Befehlskette in der korrekten Reihenfolge gesendet werden oder die Befehlskette muss oft genug wiederholt werden (siehe: Dokument: DiSEqC für Techniker der Firma Spaun). Wie oft der Receiver eine Befehlskette wiederholen soll, können Sie in der Regel in den Einstellungen Ihres Receivers vorgeben.

Am terrestrischen Eingang des Multischalters können Sie im Übrigen entweder DVB-T2 oder DVB-C (Kabelfernsehen) einspeisen und dies zusätzlich an die Teilnehmer verteilen.

Zusätzliche Einspeisung von DVB-T2 (oder DVB-C) am terrestrischen Eingang des Multischalters
Abbildung: Zusätzliche Einspeisung von DVB-T2 (oder DVB-C) am terrestrischen Eingang des Multischalters

Ältere, analoge Sat-Anlagen erweitern: Das Tonburst-Signal

Eine ältere analoge Sat-Anlage zur Multifeed-Anlage aufzurüsten, kann unter Umständen sehr aufwendig und teuer sein. Es müssen alle Teilnehmer DiSEqC-fähige Receiver und entsprechende Umschalter haben. Wenn man mit einer solchen Aufrüstung dann aber nur eine Satellitenposition zusätzlich empfangen möchte, stellt sich natürlich die Frage nach dem Aufwand-Nutzen-Verhältnis.

Aus diesem Grund hat man ursprünglich das sogenannte Tonburst-Signal für analoge Dual-Feed-Anlagen eingeführt (auch als Toneburst bezeichnet). Es handelt sich dabei um ein gepulstes Analogsignal, das dem herkömmlichen Receiver-Steuersignal (18V/0kHz; 18V/22kHz; 14V/0kHz; 14V/22kHz) zusätzlich aufmoduliert wird. Auf diesem analogen Wege werden dann zwei weitere Informationen bzw. Schaltzustände übermittelt. Mit diesen zwei Schaltzuständen lassen sich somit zwei Satellitenpositionen im Dual-Feed ansteuern. Die untere Abbildung zeigt schematisch die modulierten Tonburst-Signale für die Positionsauswahl einer Dual-Feed-Anlage mit zwei Satellitenpositionen.

Tonburst-Signal zur analogen Ansteuerung zweier Satellitenpositionen
Abbildung: Tonburst-Signal zur analogen Ansteuerung zweier Satellitenpositionen

Das Tonburst-Signal übernimmt auf analogem Wege die Positionsumschaltung, die ein gewöhnlicher DiSEqC-Schalter sonst auf digitalem Wege machen würde. Für diese analoge Umschaltung gibt es sogenannte 22-kHz-Umschalter.

Tonburst ist sozusagen das analoge Gegenstück zur digitalen Positionsvariablen in der DiSEqC-Technik, aber dennoch voll kompatibel zur digitalen Technik. Die analoge Tonburst-Signaltechnik wird fälschlicherweise auch als Mini-DiSEqC bezeichnet, obwohl es mit “digital” in dem Akronym DiSEqC nichts zu tun hat. Tatsächlich können aber auch gewöhnliche digitale DiSEqC-Schalter die analogen Tonburst-Signale interpretieren und entsprechend verarbeiten. Wahrscheinlich ist hierauf auch die Bezeichnung Mini-DiSEqC zurückzuführen.

Das Tonburst-Signal (“Mini-DiSEqC”) erlaubt die Erweiterung des herkömmlichen Steuersignals von älteren, analogen Receivern um ein zusätzliches Schaltkriterien zur Positionsansteuerung.