Im Artikel Satellitenanlage mit bis zu vier Teilnehmer wurde der Einsatz von speziellen LNBs erläutert, wenn Sie bis zu vier Teilnehmer gleichzeitig mit Satellitenfernsehen versorgen möchten. Für mehr als vier Teilnehmer ist hingegen meist eine spezielle Verteilungsart nötig, die sogenannte Sternverteilung (auch als SAT-ZF-Verteilung oder Satblock-Verteilung bezeichnet).

Der Grund weshalb eine solche spezielle Verteilung notwendig wird, liegt in der besonderen Übertragung und Verarbeitung der Satellitensignale auf unterschiedlichen Empfangsebenen (sollten Sie den verlinkten Artikel noch nicht gelesen haben, so empfehlen wir es ausdrücklich, damit Sie auch diesen Artikel besser verstehen können). Folgende Fragen soll dieser Artikel unter anderem klären:

  • Wie versorge ich mehr als vier Teilnehmer gleichzeitig mit Satellitenfernsehen?
  • Was ist eine Sternverteilung (Sat-ZF-Verteilung) und warum ist sie nötig?
  • Wozu dient ein kaskadierbarer Multischalter?
  • Was ist der Unterschied zwischen einem Quad-LNB bzw. Quattro-Switch-LNB und einem Quattro-LNB?
  • Was ist eine Stammleitung?

Octo-LNB oder Multischalter?

Wenn ein Quad-LNB durch den integrierten Multischalter vier Receiver unabhängig voneinander versorgen kann, wieso sollte es technische dann nicht möglich sein auf diese Weise auch 8 oder 16 getrennte Ausgänge bereitzustellen. Technisch ist dies durchaus möglich, es gibt nur praktische Gründe die dies erschweren.

Zunächst einmal ist es die Anzahl der Ausgänge an sich und die damit verbundene Größe der LNBs. Die LNBs würden bei so vielen Ausgängen enorm groß werden. Zudem müssten Sie bei 16 Ausgängen auch 16 Koaxialkabel vom LNB zu den Receivern führen. Sie würden hierzu riesige Durchgangslöcher durch Dächer oder Häuserwände benötigen. Dies ist vor allem bei Niedrigenergiehäusern ein Problem.

Ein weiteres Problem bei solch vielen Ausgängen kann sich im Zusammenhang mit der Spannungsversorgung ergeben. Die integrierten Multischalter mit ihrer komplexen Elektronik und die Verstärkung der Signale machen eventuell eine externe Spannungsversorgung erforderlich. Zusätzlich zu den 16 Koaxialkabel die Sie zu verlegen hätten, müssten Sie also auch eine Spannungsquelle in der Nähe der Satellitenschüssel haben bzw. ein zusätzliches Stromkabel dorthin verlegen. LNBs mit solch vielen Ausgängen sind also nicht praktikabel.

Tatsächlich gibt es auch LNBs mit acht Ausgängen, sogenannte Octo-LNBs. Ohne externe Spannungsversorgung und qualitativ hochwertige Materialien leidet in der Praxis häufig jedoch die Signalqualität, weshalb gerade beim Einsatz von Octo-LNBs Vorsicht geboten ist. Wir möchten aus diesem Grund auf Octo-LNBs nicht weiter eingehen, da es unserer Meinung nach bessere Alternativen hierfür gibt. Nämlich die Sternverteilung mit externem Multischalter, die nachträglich auch noch beliebig viel Erweiterungen zulässt!

Externe Multischalter

Wie bereits im Artikel Übertragung und Verarbeitung der Satellitensignale erläutert, haben bspw. die Quad-LNBs integrierte Multischalter, die die vier Empfangsebenen des Satellitensignals intern zusammenführen auf die entsprechenden Ausgänge verteilen. Was man in der Praxis nun macht, wenn man mehr als vier Ausgänge bedienen möchte, ist die vier Empfangsebenen zunächst zu einem externen Multischalter zu führen. Je nach Anforderung der Schaltung und Hersteller kann der Multischalter dabei über eine eigene Spannungsversorgung verfügen oder aber auf die LNB-Spannungsversorgung der Receiver zurückgreifen.

5/8 Multischalter (Multiswitch) für bis zu 8 Teilnehmer
Abbildung: 5/8 Multischalter (Multiswitch) für bis zu 8 Teilnehmer

Der Multischalter befindet sich bspw. direkt unter dem Dach, wo meist auch eine Spannungsquelle für die externe Versorgung vorhanden ist (sofern benötigt). Die Signale können durch den Multischalter nun zum einen verstärkt werden und zum anderen prinzipiell auf beliebig viele Ausgänge verteilt werden. An die Ausgänge des Multischalters werden dann im einfachsten Fall die Receiver angeschlossen. Die untere Abbildung zeigt hierzu die Verteilung der Satellitensignale auf 8 Teilnehmer. Zusätzlich kann am fünften Eingang des Multischalters ein terrestrisches Signal eingespeist werden, um gleichzeitig DVB-C-Signale (Kabelfernsehen) oder DVB-T2-Signale mit übertragen zu können (im Artikel Gleichzeitig Satellit und Kabel oder DVB-T2 verteilen mehr dazu).

Installation einer Sat-Anlage mit einem Satelliten und bis zu 8 Teilnehmern
Abbildung: Installation einer Sat-Anlage mit einem Satelliten und bis zu 8 Teilnehmern

Eine solche sternförmige Verteilung der Satellitensignale mithilfe eines externen Multischalters auf mehrere Ausgänge bzw. Teilnehmer wird auch als Sternverteilung, Satblock-Verteilung oder SAT-ZF-Verteilung bezeichnet. Auch in komplexeren Verteilungssystemen mit individuellen Lösungen stellt der externe Multischalter letztlich die zentrale Verteilungsstelle der Satellitensignale dar.

Als Satblock-Verteilung (SAT-ZF-Verteilung) bezeichnet man die sternförmige Verteilung der Satellitensignale ausgehend eines zentralen Multischalters.

Bezeichnung der Multischalter

Die Bezeichnung der Multischalter richtet sich nach der Anzahl der Eingänge und die Anzahl der Ausgänge. Ein 5/8-Multischalter hat 5 Eingänge (vier Eingänge für die unterschiedlichen Empfangsebenen und einen optionalen Eingang für die Terrestrik) und 8 Ausgänge. Es gibt auch 5/16-Multischalter mit dementsprechend 16 Ausgängen. Sollen zwei unterschiedliche Satellitensignale von zwei Quattro-LNBs empfangen werden (sog. Multifeed), dann gibt es auch hierfür passende Multischalter, z.B. 9/16-Multischalter.

Multischalter erfordern spezielle Quattro-LNBs!

Für die Satblock-Verteilung dürfen also die vier Empfangsebenen nicht innerhalb des LNBs zusammengeführt werden, sondern sie müssen an einen externen Multischalter weitergeleitet werden. Dies erfordert auch einen entsprechenden LNB, der die Empfangsebenen getrennt voneinander ausgibt. Ein solcher LNB wird Quattro-LNB genannt.

Quattro-LNB mit vier separat gekennzeichneten Ausgängen für die unterschiedlichen Empfangsebenen
Abbildung: Quattro-LNB mit vier separat gekennzeichneten Ausgängen für die unterschiedlichen Empfangsebenen

Achtung: Der Quattro-LNB ist nicht mit dem Quad-LNB zu verwechseln, auch wenn die Namen sehr ähnlich klingen! Bei einem Quattro-LNB ist der Multischalter extern ausgelagert und damit prinzipiell beliebig erweiterbar. Bei einem Quad-LNB ist der Multischalter hingegen integriert und er bleibt auf vier unabhängige Ausgänge beschränkt, an die direkt die Receiver angeschlossen werden. Um die Verwirrung vollständig zu machen, wird ein Quad-LNB auch als Quattro-Switch-LNB bezeichnet (sozusagen als ein Quattro-LNB mit integriertem Multiswitch).

Bei einem Quattro-LNB werden die vier Empfangsebenen getrennt auf einen externen Multischalter mit eigener Spannungsversorgung ausgegeben. Der Multischalter dient dann als zentraler Punkt für die weitere Verteilung des Satellitensignals auf die einzelnen Teilnehmer (Sternverteilung).

Äußerlich kann man den Quattro-LNB vom Quad-LNB dadurch unterscheiden, dass die vier Ausgänge mit den entsprechenden Empfangsebenen gekennzeichnet sind. Meist haben die Ausgänge dabei auch unterschiedliche Farben, was die Zuordnung zu den Eingängen am Multischalter erleichtert.

Kaskadierbare Multischalter

Um die Zahl der Ausgänge eines Multischalters beliebig zu steigern, können Sie auch mehrere Multischalter hintereinanderschalten (Kaskadierung genannt). Hierfür benötigen Sie einen sogenannten kaskadierbaren Multischalter. Die vier Empfangsebenen vom Quattro-LNB (plus evtl. das terrestrische Signal) werden durch den kaskadierbaren Multiswitch durchgeschleift.

Hierfür hat dieser Multischaltertyp zusätzlich zu den fünf Stammleitungseingänge auf der gegenüberliegenden Seite fünf Stammleitungsausgänge (Anmerkung: als Stammleitung werden meist Leitungen bezeichnet, die ein Signal durchschleifen). An diese Ausgänge wird dann der nachfolgende Multiswitch angeschlossen. Dieser kann wiederum ein kaskadierbare Multischalter sein. Sie können somit also die Anzahl der potentiellen Teilnehmer beliebig erhöhen. Sollten Sie nicht alle Ausgänge benutzen, so können Sie je nach Verteilung diese mit einem Abschlusswiderstand versehen (schauen Sie hierzu in der Bedienungsanleitung des Multischalters).

Kaskadierter Multischalter mit Grundeinheit für bis zu 16 Teilnehmern
Abbildung: Kaskadierter Multischalter mit Grundeinheit für bis zu 16 Teilnehmern

Mit einem kaskadierbaren Multischalter können Sie die Signale vom LNB durch den Multischalter durchschleifen und somit die Anzahl der möglichen Teilnehmer prinzipiell beliebig erhöhen (Kaskadierung).

Die untere Abbildung zeigt eine Möglicher Verteilung der Satellitensignale auf 16 Teilnehmer mit Hilfe einer Grundeinheit (gelb) und einer Kaskadiereinheit (weiß). Gleichzeitig wird das Signal einer DVB-T2 Antenne eingespeist. Beachten Sie, dass Sie für eine Multischalter-Kaskade in der Regel nicht beliebige Modelle miteinander kombinieren können (auch wenn diese jeweils kaskadierbar sind). Die verwendete Technik in den Multischaltern ist hierfür zu herstellerspezifisch.

Installation einer Sat-Anlage mit einem Satelliten und bis zu 16 Teilnehmern und zusätzlicher terrestrischer Einspeisung (z.B. DVB-T2)
Abbildung: Installation einer Sat-Anlage mit einem Satelliten und bis zu 16 Teilnehmern und zusätzlicher terrestrischer Einspeisung (z.B. DVB-T2)

Abschlusswiderstände

Achten Sie bei der Installation der Multischalter auf eventuell erforderliche 75-Ohm-Abschlusswiderstände (Endwiderstände), die Sie dann an die nicht benutzen Ausgänge anschließen. Dies kann vor allem bei nicht benutzten Stammleitungsausgängen von kaskadierten Multischaltern wichtig werden. Abschlusswiderstände sorgen dafür, dass keine Signal-Reflexionen am Ende einer Leitung auftreten, die als rücklaufende Signale Interferenzen erzeugen und die Signalübertragung stören. Bereits aus Gründen der elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) können solche Abschlusswiderstände erforderlich werden.

Gleichstrom-entkoppelter Abschlusswiderstand und nicht-Gleichstrom-entkoppelter Abschlusswiderstand an einem Multischalter
Abbildung: Gleichstrom-entkoppelter Abschlusswiderstand und nicht-Gleichstrom-entkoppelter Abschlusswiderstand an einem Multischalter

Im Gegensatz zu den nicht benutzten Ausgängen, dürfen Sie in der Regel keine Abschlusswiderstände an die Eingänge anbringen. Ausnahme hiervon kann der terrestrische Antenneneingang sein, wenn sie diesen nicht benutzen. Informationen hierzu finden Sie in der Installationsanleitung Ihres Multischalters. Schauen Sie dort also unbedingt nach.

Bei der Verwendung von Abschlusswiderständen müssen Sie unterscheiden, ob sie die Endwiderstände bei einem gleichspannungsführenden Ausgang anbringen möchten oder bei gleichspannungslosen Ausgängen. Nutzen Sie “normale” Abschlusswiderstände bei gleichspannungsführenden Ausgängen, dann wird die elektrische Leistung über den Widerstand in Wärme umgewandelt. Dies belastet nicht nur unnötig ihren Geldbeutel, sondern kann durch die Brandgefahr auch sehr gefährlich werden.

Für gleichspannungsführende Ausgänge (z.B. bei Stammleitungsausgänge von kaskadierbaren Multischaltern) sind deshalb spezielle Gleichstrom-entkoppelte Abschlusswiderstände zu verwenden (meist 75-Ohm). Solche Endwiderstände werden auch als DC-entkoppelte Abschlusswiderstände bezeichnet. Sie sind meist etwas länglicher als “normale” Abschlusswiderstände. DC-entkoppelte Abschlusswiderstände können Sie auch bei gleichspannungsfreien Leitungen nutzen. Es kann also nie schaden, nicht benutzte Ausgänge von F-Anschlüssen grundsätzlich mit DC-entkoppelten Abschlusswiderständen zu terminieren. Die Preisunterschiede für beide Varianten halten sich ohnehin in Grenzen und sonderlich teuer sind solche Abschlusswiderstände nicht.